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Dienstag, 3. April 2012

Zu viel los – zu wenig Zeit

Mein letzter Blogeintrag war am 7. November 2011! Seitdem habe ich viel zu tun, da ich im Sommer meine Abschlussprüfung ablegen werde. Ich bin außerdem ständig unterwegs, ob privat oder beruflich. Mir bleibt leider keine Zeit für bloggen übrig. Da mir diese Prüfung sehr wichtig ist, lege ich erst mal eine Pause ein bis Sommer. Ab spätestens Juli werdet ihr wieder mal was von mir lesen! (zwischenzeitlich liest man sich bei twitter wieder ;) )

Vielen Dank für euer Verständnis und bis bald,

eure Sarah

Montag, 7. November 2011

Antwort zu „Barrierefreier Alltag?“

In meinem letzten Blogeintrag habe ich versucht, euch in das Leben eines gehörlosen Menschen hineinzuversetzen. Wie ist es, wenn man einige Barrieren im Alltag hat und wie man es einfacher machen kann. Ich zeige euch heute, wie man den Alltag erleichtern kann.

Der normale Wecker hilft bei tauben Menschen leider nichts, da sie ihn nicht hören können. Mit Hörgeräte zu schlafen ist sehr unangenehm. Es gibt spezielle Wecker für taube Menschen: Lichtwecker oder Vibrationswecker. Lichtwecker blitzt zur eingestellten Uhrzeit solang bis der taube Mensch aufwacht. Das gilt auch beim Vibrationswecker, er vibriert.

Leider hat deutsche Bahn  noch nicht alle Bahnhöfe und Züge für taube Menschen barrierefrei gestalten. Wir sind auf die Reaktion der anderen Fahrgäste angewiesen: andere Fahrgäste anzusprechen und um Info bitten, was gerade durchgesagt wurde oder wo der Zug bleibt bzw. wie die Sachlage ist. Uns bleibt auch noch der Weg mit unserer Smartphone Info abzurufen, manchmal sind diese aber nicht aktuell. Sie informierten auch nur, wie viele Minuten der Zug Verspätung hat oder das der Zug entfällt. Wünschenswert wäre, am Bahnhof und im Zug auf Infotafel die Textinformationen zu untertiteln.

Bei Besprechung oder großen Veranstaltung im Arbeitsleben sollte man am besten versuchen, Gebärdensprachdolmetscher zu besorgen. Weil dadurch Missverständnissen vorgebeugt wird und der tauber Teilnehmer die Information zu 100% mitbekommen kann.

Viele denken, dass die tauben Menschen nie im Leben telefonieren können und werden. Es gibt aber seit vor paar Jahre einen Möglichkeit, wie man mit hörenden Menschen telefonisch kommunizieren kann. Es gibt einen Vermittlungsdienst für taube Menschen und dieser erfolgt per Webcam/Bildtelefon und der Dolmetscher übersetzt dann den Inhalt in Lautsprache für  den Hörenden. Es erfolgt auch per Chat bzw. Schriftdolmetscher.

Auf Firmenfeiern oder in der Mittagspause ist es oft schwierig, an Gespräche teilzunehmen, weil viele ‚durcheinander‘ reden und es ist für uns schwer, alle rechtzeitig zu verfolgen und von den Lippen abzulesen. Lösung dafür ist, eine Einzelunterhaltung durchzuführen oder ein Kollege versucht den Inhalt zusammenzufassen. Auch „Flurfunk“ kommt meistens bei taube Menschen nicht oder erst spät an, z.B. dass der Chef heute nicht gut drauf ist. Der taube Mensch geht zum Chef und fragt nach, ob er nächste Woche eine Woche Urlaub nehmen kann. Der Chef ist nicht begeistert und schlecht gelaunt.

Wiederholung: taube Menschen mögen den Begriff „taubstumm“ nicht, mehr darüber könnt ihr in meinem Blogeintrag vom 31. März 2011 „Gehörlosigkeit – was ist das?“ lesen: http://sabe253.blogspot.com/2011/03/gehorlosigkeit-was-ist-das.html

Im Wartezimmer,  wenn die Patienten per Durchsage aufgefordert werden, bekommen taube Menschen nicht mit. Da könnte man zum Beispiel persönlich hingehen und auffordern.

Gesprächspartner, die Vollbart tragen oder Dialekt sprechen, erschweren die Lippen abzulesen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass man kaum mehr als 30 % des Gesagten eindeutig ablesen kann – auch ohne Dialekt und Vollbart.

Ein tauber Mensch kann nach Südafrika reisen? Wie soll das klappen? Taube Menschen können in englischer Sprache per schriftlich kommunizieren oder sie können auch mit Körpersprache mit Ausländer kommunizieren. Für Hörende ist es auch eine Fremdsprache, in einem anderen Land zu reisen, wo niemand englisch beherrscht. Da versuchen sie auch mit Körpersprache mit anderen zu kommunizieren, oder? :-)

Auch wenn deutsche TV versuchen, Untertitel auszubauen. Leider ist es immer noch zu wenig im Vergleich zu andere EU-Länder oder USA. In manche Länder ist es sogar selbstverständlich, neben Politiker zum Beispiel einen Gebärdensprachdolmetscher zur Verfügung zu stellen und dieser wird im TV mitgezeigt. Den Untertitel „Aufgrund einer Liveübertragung konnten die Untertitel leider nicht vorbereitet werden“ erleben taube Menschen leider oft und sind empört, dass da keine gleichberechtigt ist. Dadurch haben viele auch Informationsdefizit. Ich hoffe, die Angebote für Untertitel werden weiterhin ausbauen.

Noch Fragen zu bestimmte Situationen im Alltag oder ähnliches? Schreibt ein Kommentar oder spricht mich per twitter an!


Sonntag, 17. Juli 2011

Barrierefreier Alltag?

5:30 Uhr: Lilo schläft auf ihrem Bett und träumt ganz fest und tief. Der Wecker klingelt und klingelt die ganze Zeit, nach 5 Minuten hört es auf zu klingeln. Lilo schläft weiter…

6:15 Uhr: Lilo ist durch Alptraum wachgeworden und erschreckt sich und denkt „wieviel Uhr haben wir jetzt? Oh Gott, habe ich verschlafen?“. Sie blickt kurz auf die Uhr und springt sofort aus dem Bett. Sie macht ihren Kleiderschrank auf und grübelt nach, was sie heute anziehen soll. „Ich ziehe mir lieber was Bequemens an: ein Jeans, ein Poloshirt!“.  Sie rennt schnell ins Bad, duschen, Zähne putzen, Haare föhnen, schminken, holt sich ihre Arbeitstasche und einen Müsliriegel für ein schnelles Frühstück und verlässt das Haus.

7:10 Uhr: Endlich ist Lilo am Hauptbahnhof angekommen und wartet auf die S-Bahn, die sie zum Arbeitsplatz bringt. Sie beobachtet die Fahrgäste, viele haben Coffee-to-go-Becher in der Hand, und rennt durch die Menschenmenge, um schnell ein Zug erreichen zu können. Gerade wurde per Durchsage informiert: „Sehr geehrte Damen und Herren, S-Bahn S2 fährt heute Morgen aufgrund Bauarbeit nicht. Bitte nehmen Sie Ersatzschienenverkehr-Bus Nr. 21, der am Busbahnhof steht und alle 20 Minuten fährt. Vielen Dank für Ihr Verständnis:“ Einige Fahrgäste verlassen das Gleis, da wo Lilo auf ihre S-Bahn wartet. Sie beobachtet die Situation und merkt, dass etwas nicht stimmt.

7:30 Uhr: Lilo versucht, Fahrgäste anzusprechen und deutet an, was mit S2 ist. Ein Fahrgast hat sie für dumm gehalten und ist einfach weitergegangen. Sie versucht sich an andere Fahrgast zu wenden, einer sagt: “Die S-Bahn kommt nicht. Bus – da!“. Lilo bedankt sich und rennt schnell zum Busbahnhof und hat es knapp geschafft.

7:55 Uhr: Sie geht zu Fuß zum Firma, hinter ihr drängelt ein ungeduldiger Fahrradfahrer und will an ihr vorbeifahren. Er klingelte mehrmals und zeigte ihr einen Vogel, als er vorbeigefahren ist. Lilo erschreckt sich, denn sie ist taub.

8:00 Uhr: Endlich ist Lilo am Arbeitsplatz angekommen. An ihrem Schreibtisch wartet eine Menge Arbeit auf sie. Sie legt ihre Sachen ab und fährt ihren PC hoch und besorgt sich nebenbei einen Kaffee. Zurück am Platz gestaltet sie einen Flyer für eine Wohlfahrtstätigkeit. Sie konzentriert auf ihre Arbeit, als ihr Chef an ihr von hinten vorbeikommt und sie erschreckt sich, weil sie es nicht gemerkt hat. Er sagt ihr, dass um 9:00 Uhr eine Besprechung im Raum 2003 stattfinden wird.

9:00 Uhr: Die Besprechung fängt an und Lilo versucht ganze Zeit von den Lippen abzusehen, jedoch ist es sehr mühsam. Denn 10 Teilnehmer reden durcheinander und viele Fachbegriffe, die schwer zu verstehen ist. Irgendwann gibt Lilo auf, sich darauf zu konzentrieren und wartet nur darauf, dass es endlich fertig ist.

9:30 Uhr: Lilo kehrt wieder an ihrem Arbeitsplatz und arbeitet an ihren Flyern weiter. Neben an, an ihrem Arbeitsplatz klingelt ein Telefon…

12:00 Uhr: Die Kollegen fragen Lilo, ob sie mit zur Kantine gehen möchte. Sie bejaht und geht mit. Die Kollegen reden durcheinander und lachten während Lilo nachdenklich mitgeht. In der Kantine hat sie sich für Spaghetti Bolognese mit Parmesan entschieden und setzt sich mit ihre Kollegen zusammen an einem Tisch. Nach 15 Minuten merken Kollegen, dass Lilo auch da ist und ein Kollege fragt sie, ob ihr das Essen geschmeckt hat.

12:45 Uhr: Mittagspause ist um und Lilo arbeitet weiter, bis zu dem Zeitpunkt, als sie merkt, dass  etwas geschehen muss. Unruhe und Spannung im Büro. Sie wollte sich da nicht einmischen und arbeitet einfach weiter.

15:00 Uhr: Ihre Entwürfe für einen Flyer für Wohlfahrtstätigkeit sind fertig und schicken sie per E-Mail an Kunde. Sie geht zum Chef und fragt nach einem neuen Auftrag. Er gibt ihr den Auftrag: eine Einladung zu einem Musical gestalten.

16:00 Uhr: Sie hat einen Arzttermin und muss mit ihre Arbeit beenden, so sagt sie ihre Kollegin Bescheid und verabschiedet sich per Handwinken.

16:15 Uhr: Lilo steht vor der Rezeption beim Hausarzt und wartet auf eine Arzthelferin, um sich anzumelden. Die Arzthelferin durchstöbert gerade die Patientenakten und spricht mit Lilo, ohne dass sie ihre Lippen sehen kann. Die Arzthelferin dachte erst, dass es unverschämt ist, dass sie nicht drauf reagiert hat. Lilo zeigte ihr, dass sie taub ist und sie war dann verwirrt. Lilo legt ihre Krankenkasse-Chipkarte und Praxisgebühr 10€ vor und sie wurde aufgefordert, im Wartezimmer zu warten. Die Arzthelferin notiert in ihrer Akte „taubstumm“.

16:25 Uhr: Sie liest eine Zeitschrift und ist in der Reportage von Aussterben der Eisbären vertieft. Durchsage: „Frau Lilo Kirsch, bitte gehen Sie ins Behandlungszimmer 3“. Nach ein paar Sekunden wieder: „Frau Lilo Kirsch, bitte gehen Sie ins Behandlungszimmer 3“. Lilo merkt, dass sie von anderen Patienten angeschaut wird und sie legt die Zeitschrift ab und geht vorsichtig zu Rezeption und fragt nach, ob man sie gerade aufgerufen hat und falls ja, in welches Zimmer sie gehen soll.

16:35 Uhr: Der Arzt, der ein Vollbart hat, kommt ins Behandlungszimmer und begrüßt Lilo und fragt nach, was ihr fehlt. Lilo kann aufgrund seines Barts schwierig von den Lippen abzusehen und bittet ihn, mit dem Papier und Schrift zu kommunizieren. Er stellt Papier und Stift bereit. Lilo schreibt, dass sie in nächster Zeit nach Südafrika fliegen wird und sich untersuchen und beraten lassen möchte, zum Thema Tropenkrankheit. Er schaut verwundert und fragt sich, wie sie alleine in ein fremdes Land reisen kann und berät sie bis zum Schluss. Sie bekommt am Schluss ein Rezept, mit dem sie zur Apotheke geht.

16:50 Uhr: Es regnet draußen so stark und Lilo holt ihre Regenjacke aus der  Tasche heraus und rennt schnell bis zum Apotheke. Dort angekommen tut sie ihrer Kapuze herunter und gibt der Apothekerin das Rezept. Sie holt die Medikamente für ihre Reisevorbereitung aus der Schublade und erklärt ihr, wann sie wie viel an einem Tag einnehmen muss. Sie zeigt ihr eine Gebärde, dass sie das auf Medikamente notieren soll. Sie notiert es und zeigt ihr den Betrag per Kassenanzeige und Lilo zahlt, verabschiedet sich und geht.

17:30 Uhr: Nach einem langen stressigen Tag ist Lilo endlich zu Hause angekommen. Sie holt ihre Post ab und war empört, als sie den GEZ-Brief entdeckt. Sie öffnet den Brief sofort und liest, dass sie die GEZ-Gebühren innerhalb von 14 Tage zahlen muss. Genervt legt sie den Brief auf ihrem Schreibtisch und setzt sich vor den PC und schreibt erneut einen Brief an die GEZ, in dem sie erklärt, dass sie taub ist und vor einem Monat bereits eine Schreiben mitsamt Kopie ihres Schwerbehindertenausweises mit Merkzeichen „RF“ (=Befreiung von der Rundfunkgebührenpflicht) geschickt hat und erklärt hiermit noch einmal, dass sie taub ist und ein Merkzeichen in ihrem Schwerbehindertenausweis besitzt und die GEZ-Gebühren nicht bezahlen wird. Sie druckt es schnell aus, faltet es zusammen, steckt es in den Briefumschlag. Sie ruht sich dann aus und macht ein Nickerchen.

18:20 Uhr: Ihr Mann kommt nach Hause und gibt ihr einen Kuss und fragt, wie ihr Tag war. Sie unterhalten sich über ihren Tag in Gebärdensprache beim gemeinsamen Abendessen

20:00 Uhr: Fast jeder guckt jeden Abend Tagesschau, Lilo und ihr Mann gucken es auch mit Untertitel an. Als Tagesschau ein Beitrag über Tsunami in Asien zeigt, steht es dann beim Untertitel: „Aufgrund einer Liveübertragung konnten die Untertitel leider nicht vorbereitet werden“. Empört und enttäuschend gucken Lilo und ihr Mann weiter Tagesschau.

22:00 Uhr: Müde gehen Lilo und ihr Mann gemeinsam ins Bett.

Sieht der Alltag so aus? Was denkt ihr dazu? Auf eure Kommentare würde ich mich freuen. Meine Antwort werdet ihr im nächsten Eintrag lesen.

Zur Info: Die Personen und Handlung sind alle frei erfunden.

Donnerstag, 23. Juni 2011

Meine Erfahrungen im Krankenhaus – Barrierefreiheit? Nicht immer!

Im Sommer 2006 habe ich mit einen Freund am Wochenende Fußball WM im TV geguckt und mir wurde schwindlig. Ich wurde ohnmächtig und war 5 Minuten lang nicht ansprechbar. Als man versuchte, mich zu wecken wurde ich langsam wach und habe dann begriffen, was passiert war. Nach wenigen Minuten war ein Krankenwagen da und ich war so aufgeregt, sodass ich  schlecht mit dem Notarzt kommunizieren konnte. Im Krankenhaus wurde ich behandelt und eine Dolmetscherin war anwesend. Die Ärzte haben mich für dumm gehalten und meine Beschwerde am Kopf und Halswirbel nicht ernst genommen. Ich habe mehrmals gezeigt und gesagt, wo ich Schmerzen habe. Ich wurde dann im Zimmer gebracht. Wenigstens waren Krankenschwestern nett. Ich schlief die Nacht durch und hatte am nächsten Tag Arztvisite. Die Dolmetscherin war schon am Tag davor nach Untersuchung nach Hause gegangen. Ich war also alleine mit den Ärzten. Der Arzt war nicht vorbereitet und hat die Krankenschwester gefragt, was er mit mir machen soll, da ich ja „taubstumm“ bin und keine Dolmetscherin da war. Die Krankenschwester hat ihn beruhigt und gesagt, dass sie kein Problem mit mir hatte. Ich konnte durch den Lippen absehen verstehen und habe ihn klar gesagt, dass er ruhig mit mir reden kann, wenn er langsam und deutlich spricht. Da war er verblüfft und war für kurze Zeit sprachlos und fragte mich, wieso ich gestern nichts gesprochen habe. Ich habe ihm erklärt, dass ich im Schock und aufgeregt war. Er hat sich für seine Bemerkungen entschuldigt und wollte mehr wissen, wie ich lebe und wo ich zur Schule gehe und wie mein Werdegang aussieht und und und.

Nach paar Jahre später hatte ich ein anderes Erlebnis mit Krankenhaus und zwar:

Im April dieses Jahres habe ich mir den Fuß umgeknickt und ich musste wieder ins Krankenhaus. Ich habe bei der Anmeldung gesagt, dass ich taub bin und mein Fuß verletzt ist und als der Papierkram fertig ist, saß ich im Wartezimmer und wartete mit meinem Freund zusammen bis ich aufgerufen werde. Eine Ärztin kam auf mich zu und gebärdete, wie sie heißt und ob ich taub bin und ich bitte mitkommen soll. Da war ich sprachlos und auch happy gewesen, weil ich das noch nie erlebt habe und ich auch sehr neugierig war. Es wurde Untersuchungen durchgeführt – alles in Gebärdensprache und direkter Kommunikation. Ich hatte zum Glück keinen Knöchelbruch und mein Fuß war nur verstaucht und die Heilung hat lang gebraucht. Ich bin mit großer Zufriedenheit nach Hause gegangen.

Fazit: Ich finde die direkte Kommunikation mit Ärzte o.a. sehr gut und wichtig, da habe ich Vertrauen. Ich hoffe, dass mehr Ärzte oder andere Behördenmitarbeiter Gebärdensprache lernen und bieten Beratung o.a. für tauben Menschen persönlich vor Ort an. Denn es ist oft schwierig in Notsituationen rechtzeitig einen Dolmetscher zu besorgen. Bei mancher Situation hat man keine Zeit zu warten. Da muss man schnell handeln. Oft höre ich, dass es ein Kostenaufwand ist. Ich fände es schade, denn in andere Sprache zum Beispiel chinesisch, türkisch werden Dolmetscher öfter angeboten als die Gebärdensprache.

Samstag, 14. Mai 2011

Als kleines Kind dachte ich, alle verstehen mich

Nach der Diagnose: Taubheit und den schlechten Erfahrungen mit HNO-Ärzten geht mein Leben nun weiter:

Ich wurde mit 6 Monate beiderseitig mit Hörgeräte versorgt. Ich verstand nicht, was diese „Dinger“ bedeuten und ziehe sie immer wieder aus und steckte in den Mund. Als wären sie ein Spielzeug. Meine Eltern haben mir mit viel Mühe erklärt, dass sie in den Ohren gehören. Natürlich war es für mich als 6 Monate altes Baby nicht einfach zu verstehen. Nach langem Training, habe ich die Hörgeräte akzeptiert. Meine ersten Worte waren „Mama“, „Oma“ in Deutscher Gebärdensprache. Kurze Zeit später konnte ich auch lautsprachlich „Mama“ und „Oma“ sprechen. Ich war ein aufgewecktes und neugieriges Kind laut meiner Familie, da ich immer alles wissen wollte. Mein Lieblingswort war „warum“. Ich habe Bücher sehr gemocht und wollte gerne oft von meine Eltern (in Gebärdensprache) oder Großeltern (in Lautsprache) vorgelesen werden.

Als ich 3 Jahre alt war, habe ich eine kleine Schwester bekommen. Meine Eltern gingen auch davon aus, dass sie evtl. auch hörbehindert ist. Haben aber mit dem Hörtest erst mal gewartet und informiert lassen, da sie nicht wieder in gleiche Klinik fahren wollen, wo sie mit mir waren. Sie haben dann sich für die HNO-Klinik in Marburg entschieden, denn meine Großeltern riefen dort an und fragten nach, wie die Untersuchung ablaufen würde und waren überrascht: es würde nur einen halben Tag dauern. So sind wir dorthin gefahren und es wurde bei meiner Schwester ebenfalls Schwerhörigkeit festgestellt. Meine Großeltern haben mit der Ärztin gesprochen, da meine Stimme zu hoch ist, obwohl ich fleißig zu Logopädie ging. Sie hat mich dann untersucht und leider festgestellt: meine Hörgeräte, die ich seit 4 Jahre trug, sind komplett falsch eingestellt! Da war meine Familie wütend, denn es konnte meine Hör- und Sprachentwicklung stören. Da die Krankenkasse eigentlich  nur alle 5 Jahre bei Kindern unter 18 Lebensjahren Hörgeräte bezahlt, wird es nicht einfach sein, dass ich wieder neue bekommen werde, erklärte Ärztin. Sie hat sich für mich eingesetzt und einen Brief an die Krankenkasse geschrieben mit Begründung und es hat geklappt. Ich bekam zum 2. Mal in meinem Leben Hörgeräte mit 4 Jahren. Ich habe sie am Anfang nicht ganz akzeptiert, da die Töne, die ich höre, anders waren. Meine Eltern überzeugten mich, dass sie nun richtig sind. Nach paar Wochen akzeptiert ich es und meine lautsprachliche Entwicklung hat sich verbessert.

Ich habe fast alle, egal ob taub oder hörend, immer mit Gebärdensprache angesprochen, denn ich dachte, sie alle verstehen diese Sprache. Mit 4 Jahren ging ich in einen „normalen“ Kindergarten für Hörende in meinem Wohnort. Dafür haben sich meine Eltern entschieden, denn eine Erzieherin beherrschte Gebärdensprache. Dort habe ich erst langsam verstanden, dass mehr per Lautsprache kommuniziert wird und nicht per Gebärdensprache. Ich versuchte mit den anderen Kindern zu kommunizieren. Oft versuchte ich einfach loszureden und hoffte, dass sie mich verstehen. Dabei habe ich einfach so gesprochen ohne Inhalt. Die Kommunikation erfolgte am Anfang also über die Erzieherin. Ein paar Wochen später haben wir, Kinder, unter uns eigene Gebärde erfunden, um uns unterhalten zu können. Das klappte auch ganz gut, sowie zusammen spielen, malen, turnen oder basteln. Außerdem bekommen wir einmal in der Woche Besuch von der Frühförderung. Da wird lautsprachlich spielerisch gelernt. Auch im Kindergarten und da darf ich abwechselnd 1-2 Kinder mitnehmen und wir lernen/spielen zusammen. Die Lehrerin erklärt denen auch, dass ich taub bin und warum bzw. was anders ist, als bei den anderen Kindern.

Fazit: Am Schluss möchte ich sagen, dass ich persönlich finde, dass die Deutsche Gebärdensprache eine Grundlage bzw. Voraussetzung (wie ein Grundbaustein) ist für ein taubes Kind, um sich dann lautsprachlich besser entwickeln zu können als ohne Gebärdensprache. Dadurch wurde auch mein Wortschatz größer, sowie auch meine Bildung und Wissen in anderen Themengebiete. Hiermit möchte ich mich bei meinen Eltern bedanken, dass sie mir diese ermöglichen haben.

Nochmal: die ungestörte Kommunikation zwischen Eltern und taubem Kind beeinflusst ein großes Teil seines Lebens!

Dienstag, 26. April 2011

Schlimme Erfahrungen in der HNO-Klinik

An einem sonnigen Sonntag im März erblickte ich das Licht der Welt. Meine glückliche taube Eltern hielten mich im Arm und gebärdeten: „dass sie mich lieben und in guten und schlechten Zeiten begleiten werden“. Ich entwickele mich ganz normal wie jedes andere Baby, das Liebe, Wärme und Geborgenheit von seinen Eltern bekommt. Ich schreie und weine, wenn ich Hunger, Liebe, (Bauch)schmerzen habe. Ich lache, wenn ich glücklich bin. Mein Lachen hat meine Eltern zu glückliche Eltern gemacht. Als ich den 4. Lebensmonat erreicht habe, hat meine Familie ab und zu mit mir Hörtests gemacht, indem sie auf einen Kochtopf mit einem Kochlöffel trommeln oder mein Name rufen. Sie haben einige Auffälligkeiten bei mir gesehen. Da es meinen Eltern schon klar waren, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass ich auch taub bin. Sie zweifelten und wussten nicht, zu welcher HNO Klinik sie mich zur Hörtest schicken sollten. Sie haben „gehört“, dass das HNO-Uniklinikum in Mainz sehr gut sein soll. Da es damals noch keine oder sehr wenige Gebärdensprachdolmetscher  und keine besondere Telefonvermittlungsdienste für tauben Menschen gab, wurden meine hörenden Großeltern Vertrauenspersonen die dolmetschen und telefonieren. So haben sie einen Termin an der Klinik gemacht und sie erklärten meinen Eltern, dass ich für eine Woche dort zum Hörtest (und evtl. Hörgeräteanpassung) bleiben muss. Meine Mutter packte alle wichtigen Sachen ein und ist mit mir in die Klinik gefahren. Es wurde dann ein Hörtest durchgeführt und der Arzt stellte fest, dass ich, an Schwerhörigkeit an der Grenze zur Taubheit leide. Diese Diagnose hat meine Eltern und Familienmitglieder trotzdem am Anfang schockiert, auch wenn es vorher schon zu befürchten war. Denn ich bin als 4. Enkelkind von tauben Großeltern, aber das erste taube Enkelkind. Dann heißt es: eine Woche lang Hörgeräteanpassung um die geeigneten für mich zu finden. Darauf waren meine Mutter und ich vorbereitet. Doch wurden mit mir jeden Tag mit viele neue  und vorher nicht besprochene Untersuchungen durchgeführt, in die meine Eltern nicht eingewilligt hatten: es wurde ein EEG gemacht, ein Sehtest wurde durchgeführt und der Arzt wollte mir Blut abnehmen und untersuchen lassen, ob die Taubheit genetisch vererbt ist. Meine Eltern lehnten das ab, denn sie wollen nicht davon wissen und akzeptieren mich so, wie ich bin. Außerdem wollten sie das Risiko nicht eingehen, am Kopf Blut abzunehmen. Der Arzt war nicht begeistert und wirft meine Mutter vor, sie sei verantwortungslos. An einem Mittag gab meine Mutter mir Brei, plötzlich stürmte die Krankenschwester ins Zimmer und sagte, dass ich in 5 Minuten fertig sein muss und zur Blutabnahme muss. Meine Mutter wusste von diesem Termin nichts und lehnte ab, da ich gerade Brei aß. Sie fütterte mich weiter – dann stürmten wieder die Krankenschwester rein und meinten, dass ich jetzt mitkommen muss. Meine Mutter war machtlos und kam mit. Sie haben versucht, mich hinzulegen. Ich weinte und weigerte mich. Meine Mutter musste alles mitansehen und sie hatte Mitleid mit mir. Als ich anfing, den gegessenen Brei zu erbrechen, nahm meine Mutter mich mit und ist schnell nach draußen gegangen, um nächste Telefonzelle zu finden. Da es damals noch kein Handy gab, war es nicht einfach, meine Großeltern zu benachrichtigen. Meine Mutter rief meine Großeltern an und sagte, dass sie sofort kommen sollen. Mehr konnte sie am Telefon nicht sagen. Meine Großeltern sind sofort nach Mainz gefahren und haben sich alles angehört, was meine Mutter mit mir in 5 Tage alles erlebt hatte. Dann fand das Gespräch mit Ärzten statt. Meine Eltern und Großeltern haben gesagt,  dass sie nicht noch mal hierher kommen werden, weil ich kein „Versuchkanninchen“ sei. Uns wurde dann ein Rezept für neue Hörgeräte ausgestellt. Meine Mutter war mit den Nerven total am Ende. Die Hörgeräteanpassung erfolgte dann beim Akustiker in unsere Nähe und ich bekam mit 6 Lebensmonaten Hörgeräte. Nach paar Wochen bekamen meine Großeltern einen Anruf von meinem Kinderarzt und wir mussten dringend zu ihm kommen, da er einen wichtigen Brief bekam. Der Kinderarzt hat gesagt, dass er einen Brief von der Uniklinik Mainz bekam und gezwungen ist, uns zu mitteilen: Die Ärzte haben beschlossen, dass meine Eltern keine weitere Kinder bekommen dürfen, da ich eine große Belastung für sie sei, die sie lebenslang tragen werden. Am Schluss hat der Kinderarzt den Brief zerrissen und weggeschmissen.

Dieses Erlebnis haben meine Familie, vor allem meine Mutter nie vergessen.

Die Geschichte geht aber weiter und nimmt ein gutes Ende…

Mittwoch, 20. April 2011

Ein Leben ohne Musik – unvorstellbar!

die Musik hat eine große Bedeutung in der hörenden Gesellschaft. Oft bekomme ich zu hören „Ein Leben ohne Musik? Unvorstellbar!“ und aus diesem Grund werde ich auch häufig wegen meiner Taubheit bemitleidet: Was, du hörst keine Musik? Das ist sehr traurig! Musik ist sehr wichtig – so in der Art.
Ich versuche jetzt erklären, warum ich Musik in meinem Leben nicht vermisse. Es heißt nicht, dass wir Partys ohne Musik machen! Auf Gehörlosenpartys ist auch immer Musik dabei, meistens Musik mit vielen Bässen, da wir vor allem Rhythmen und Bässe spüren können. Ihr fragt euch jetzt bestimmt, wie kann ein tauber Mensch Musik spüren? Ich habe mal das Spüren an meinem Körper mit und ohne Hörgeräte getestet und stellte fest, dass ich Musik ohne Hörgeräte viel intensiver und genauer spüre. Wie wir „spüren“ ist nicht einfach zu beschreiben, aber ich versuche es. Die Bässe spüren wir hauptsächlich in der Brust und an den Füßen. Wir fühlen auch die Vibrationen und Schwingungen, die unterschiedlich stark sind. Ich bin keine Tänzerin, aber so ähnlich geht auch bei tauben Tänzern, die nach Gespür auf Rhythmen tanzen. Sie fühlen sich in die Musik hinein, erlernen die Bewegungen, Schritte, Takte. Es wird dann quasi ein automatischer Ablauf, auch wenn man nicht mehr alles direkt spürt.
In Gebärdensprache singen wir Lieder, zum Beispiel in einem Gebärdensprachchor. Ich habe an einer AG in der Schule Gebärdenchor mitgemacht und wir sind zusammen mit der Schulband öffentlich aufgetreten. Viele Zuschauer, vor allem Kinder versuchten uns nachzumachen. Es war ein schönes Gefühl und eine schöne Erinnerung. Einige kulturinteressierte Hörende schrieben mich an, dass sie schon mal ein Gebärdenchor angeschaut haben und finden es faszinierend und phantastisch (auch ohne Gebärdensprachkenntnisse).

Mit dem Vergleich möchte ich versuchen euch auch zu vermitteln, dass wir Musik nicht vermissen, aber genauso phantastisch finden, wie wenn ihr euch unser Gebärdenchor anschaut.

Hier noch einige Tipps zum Ansehen:
SIGNMARK“ (=Zeichen setzen) ist ein finnische Musikband und besteht aus zwei hörenden Musikern und einem tauben Rapper. Ich habe die Band zum ersten Mal in Köln im Jahr 2008 live miterlebt und das ist ein Erlebnis! Schaut euch mal das Video an: http://www.youtube.com/watch?v=Q8YzAo2haKI
Es gab mal auch Konzerte z.B. von Peter Maffay, die für Gehörlose in Gebärdensprache simultan übersetzt wurden: http://www.lifepr.de/pressemeldungen/deag-deutsche-entertainment-ag/boxid/65773

Ein Musikvideo "Willkommen in die Realität" von Jef Bam Hayoukid mit deutsche Gebärdensprache:
http://www.youtube.com/watch?v=zdWy3X0vBQ4 

Ein Musikvideo „It Feels So Good“ by Damon Timm mit amerikanische Gebärdensprache: http://www.youtube.com/watch?v=UtEg3EQwN9A
Mehr zum Thema Gehörlose und Tanzen: Kassandra Wedel
Das Supertalent 2010 mit dem gehörlosen Tänzer, Tobias „Tobiz“ Krämer

Samstag, 16. April 2011

Taube Menschen können besonders gut SEHEN!

Ich wurde von einem Twitterer gefragt, ob taube Menschen mit ihren Sinnen anders bzw. besser wahrnehmen können als Hörende.
Meine Antwort ist ja. Die visuelle Wahrnehmung in der Regel bei uns Gehörlosen ist viel ausgeprägter als bei Hörenden. 

Anbei ein wissenschaftlicher Auszug: Forscher haben entdeckt, warum die verbliebenen Sinne von Blinden oder tauben Menschen schärfer sind als von Menschen ohne Behinderung:
Wenn ein Sinn fehlt, lässt das Gehirn die eigentlich dafür zuständigen Areale nicht etwa brachliegen – es nützt sie vielmehr, um andere Sinne zu unterstützen.
Gezeigt haben die Forscher es bei tauben Katzen: Diese nutzen Teile ihre Gehirns zum Sehen, die eigentlich fürs Hören vorgesehen sind. Die Sinneseindrücke der Augen werden also nicht nur im Sehzentrum der Tiere verarbeitet, sondern auch in den Hör-Arealen.

Quelle: http://www.hno-aerzte-im-netz.de/news/hno-news/gehoerlose_menschen_sehen_besonders_gut.html

Samstag, 9. April 2011

Geheimsprache? Gebärdensprache!

Unter Gebärdensprache versteht man die Kommunikationssprache von tauben Menschen. Sie gebärden mit den Händen ergänzend mit Mimik, Mundbild (ohne Stimme) und im Kontext die entsprechende Körperhaltung. Man unterscheidet „Deutsche Gebärdensprache“ (DGS) und „Lautsprachbegleitende Gebärden“ (LBG) bzw. Gebärdetes Deutsch. Bei der LBG wird jedes einzelne Wort simultan und wortwörtlich gebärdet. Bei DGS wird der Satzaufbau umgestaltet, das Verb kommt am Ende des Satzes, manchmal fällt es sogar ganz weg. Die DGS hat nicht nur eine ganz eigene Grammatik, sondern ermöglicht, dass mehrere Worte durch eine einzige Gebärde ausgedrückt werden. Dadurch wird natürlich die Kommunikation enorm beschleunigt. Wichtig ist es noch zu erwähnen, dass die DGS, unsere Muttersprache, keine Schriftsprache kennt!
Hier mal eine Beispielübersetzung: Der Fahrrad fuhr durch einem Waldweg.
in LBG: „Der“, „Fahrrad“, „fahren“, „Vergangenheit“, „durch“, „ein“, gefingertes "em" und „Waldweg“.
in DGS: „Fahrrad“, „Waldweg“ und „fahren durch einem Waldweg“.

Mit der Gebärdensprache blühen Gehörlose auf, fallen die vermeintlichen Barrieren in ihrem Leben. In Gebärdensprache können sie sich locker und schnell über alles unterhalten.

„Weltgebärdensprache“
Die deutsche Gebärdensprache ist von Land zu Land unterschiedlich. Trotzdem klappt die Verständigung mit ausländischen tauben Menschen ganz gut. Für Hörenden ist Englisch eine Weltsprache. Für uns ist American Sign Language (ASL) die „Weltgebärdensprache“. Außerdem haben wir auch noch die „Internationale Gebärdensprache“, die ich persönlich einfacher finde.  

Dialekte
Außerdem gibt es in der Deutschen Gebärdensprache auch Dialekte! Einige Gebärden zwischen Nord- und Süddeutschland sind sehr unterschiedlich, wie z.B. die Gebärde von Wochentagen. Der Sonntag wird im Süden mit einer betenden Hand vor der Brust beschrieben (viele gehen im Süden sonntags in die Kirche), im Norden wird sich mit der flachen Hand an der Brust runtergestrichen (man zieht sonntags die schönsten Kleider an). Trotz Dialekte gibt es geringe Verständigungsprobleme unter tauben Menschen. Wenn eine Gebärde für uns neu ist, unterstützen sie dann mit Mundbild und Körpersprache, um diesen Dialekt besser zu verstehen.

"Wir sind nicht behindert",
erklären wir, taube Menschen darum immer wieder den Hörenden. Wir sprechen nur eine andere Sprache, sozusagen sind wir eine sprachliche Minderheit. Im Vergleich zu einem hörenden Deutschen, der im Ausland ist, wo er die Sprache nicht kennt, fühlt er sich genauso „behindert“.

Und das Beste zum Schluss:
Ihr könnt einige Worte online im Gebärdenwörterbuch nachschauen, wie sie gebärdet werden: www.spreadthesign.com. Hier werdet ihr auch feststellen können, dass in jedem Land anders gebärdet wird! Außerdem könnt ihr versuchen bei http://www.spreadthesign.com/de/alphabet/ euren Namen zu „fingeralphabetieren“ - viel Spaß!

UPDATE am 17. Juli 2011
Es gibt einige Rückmeldungen zu meinem Blog, was, "wir fühlen uns nicht behindert" betrifft. Ich habe letztes Mal sehr knapp geschrieben und ich erkläre hiermit gern, um Missverständnis zu vermeiden, wie ich das Wort personsbezogen richtig definiere: denn jede Behinderte definiert das Wort „Behinderung“ unterschiedlich. Ich bin in einer tauben Familie aufgewachsen und dort spürte ich die Behinderung fast nicht. Tauben Menschen haben eine eigene Kultur, Schule, Vereine wo sie in Gebärdensprache kommunizieren können. Da fühlen wir uns nicht behindert, weil uns nichts behindert. Wenn wir in normalen Alltag wie zum Beispiel  am Bahnhof sind und die Durchsage nicht mitbekommen, TV oder Radio – werden wir durch die Kommunikation mit Hörende behindert. Man verwendet heutzutage das Wort Barriere. Wir sind sozusagen eine Minderheitsgruppe von Sprache.
Mein Fazit ist:
Wenn ich mit Hörende zusammen bin, bin ich behindert, weil da Kommunikationsschwierigkeiten gibt. Bin ich mit  tauben Menschen zusammen, fühle ich mich nicht behindert. Das heißt nicht, dass ich mich als Gesunde ausgebe.

Donnerstag, 31. März 2011

Gehörlosigkeit – was ist das?

Unter dem Begriff „Gehörlosigkeit“ versteht man, dass das Gehör bei Menschen vollständig oder weitgehend fehlt. Dadurch werden die Geräusche und Töne nicht oder nur minimal wahrnehmbar. Man kann auch das Wort „Taubheit“ verwenden. 

Diagnose: Gehörlos / Taub
Bei jedem Kind wird nach der Geburt ein Hörtest gemacht, um eine Gehörlosigkeit bzw. Taubheit möglichst früh zu diagnostizieren. In Deutschland werden im Schnitt täglich zwei taube Kinder geboren. Die Hälfte dieser Fälle ist genetisch bedingt. Bei anderen Familien ist die Taubheit z. B. auf eine Viruserkrankung der Mutter während der Schwangerschaft (z. B. Röteln, Masern) oder auf eine Hirnhautentzündung im Kindesalter zurückzuführen.

Taubstumm ist tabu!
Die Bezeichnung "taubstumm" empfinden viele taube Menschen als diskriminierend. Das Wort "stumm" lässt sich von seiner Entwicklung betrachtet von "dumm" herzuleiten.
Heutzutage gibt es kaum taube Menschen, die wirklich auch stumm sind, denn sie verständigen sich in der faszinierenden Gebärdensprache. Andere beherrschen die Lautsprache und sehen von den Lippen ab. Allerdings auch wenn taube Menschen gut von Lippen absehen können, müssen sie sich den Großteil des Gesprochenen zusammenreimen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass man kaum mehr als 30 % des Gesagten eindeutig ablesen kann. Der Grund hierfür ist, dass viele Wörter ähnliche Mundbilder haben, daher kann man diese an der Bewegung des Mundes kaum unterscheiden wie z. B. "Mutter" und "Butter".
Bezeichnungen, die wir für unsere Behinderung in Ordnung finden sind z.B. taub, gehörlos, schwerhörig, ertaubt.

Unsichtbare Behinderung? – Jein!
Um eine Frage von einem Twitter-User zu beantworten: „sieht man das (gehörlos) an?“
Die Frage ist gar nicht schlecht! Wenn ein tauber Mensch allein unterwegs ist, sieht man es ihm im Vergleich zu anderen Behinderungen oft gar nicht an. Die Blinden sind meistens mit einem Hund oder Blindenstock unterwegs, der Gehbehinderte sitzt im Rollstuhl usw..
Bei uns Gehörlosen fällt die Behinderung erst auf, wenn wir zu zweit unterwegs sind und uns in der Deutschen Gebärdensprache (DGS) unterhalten oder jemanden in der Öffentlichkeit ansprechen, wie z. B. beim Bäcker oder in der Bahn. Die Stimme eines tauben Menschen erscheint dann oft „monoton“. Es liegt auch daran, dass wir uns selbst nicht hören können, daher fehlt auch die Melodie in unserer Stimme. Manche tauben Menschen tragen Hörhilfen, wie Hörgerät oder Cochlear Implantat – diese fallen eher bei Männern, als bei Frauen auf. Bei mir sieht man die Hörgeräte auch nicht, wenn ich z.B. meine langen Haare offen trage.